November 20, 2020

New Work - Büros nach COVID-19

Seit Anfang 2020 bestimmen COVID-19 und die damit einhergehenden Einschränkungen nicht nur unser Privatleben, sondern vor allem auch unseren Arbeitsalltag. Home Office und die lang ersehnte und nun erreichte Work-Life-Balance sind überall Thema - doch wie geht es eigentlich nach der Pandemie weiter? Wie sieht die Büroeinrichtung nach Corona aus? Welche Konzepte müssen Innenarchitekten in ihre Überlegungen zur Büroplanung mit einbeziehen, um Hygienestandards und Abstandsregeln einzuhalten?

Neben allgemeinen Lebensthemen wie Achtsamkeit und Work-Life-Balance haben sich seit Corona vor allem die Arbeitsbedingungen für die meisten von uns grundlegend geändert. Home Office-Möglichkeiten und flexible Arbeitszeitmodelle sind nach und nach vor allem in größeren Unternehmen umgesetzt worden. Doch wie sehen Alltag und Büroeinrichtung eigentlich nach der Corona-Pandemie aus? Auf welche grundlegenden Veränderungen müssen sich Innenarchitekten, Büroeinrichter, Arbeitgeber sowie Mitarbeiter in Zukunft einstellen? Welche Neuerungen wird es im Design von Büromöbeln und beim Erstellen von Office-Konzepten geben? Wie wird man mit den neuen Hygienestandards und Abstandsregeln umgehen und es trotzdem schaffen, eine attraktive Bürokultur im Rahmen des Neuen Arbeitens zu kreieren?

Neues Arbeiten: Büroplanung nach Corona

Seit Ausbruch von COVID-19 haben wir gelernt, dass digitales Arbeiten sehr gut funktioniert. Was vorher in manchen Unternehmen undenkbar schien, ist zur Gewohnheit geworden: Remote Work wird es vor allem in Internet-Unternehmen auch in Zukunft geben. Eine Abkehr vom traditionellen Bürokonzept, bei dem nur körperliche Anwesenheit am Arbeitsplatz zählt, ist bereits weit vorangeschritten.

Informationsaustausch und Zusammenarbeit funktionieren dank digitaler Tools wie asana und Video Conferencing via Zoom oder Hangouts einwandfrei. Währenddessen sind wir alle dabei, unser Home Office einzurichten und investieren in ergonomische Schreibtischstühle und multifunktionale Schreibtische.

Einzig und allein ist es doch der menschliche Faktor, den wir ab und zu vermissen. Die einen mehr, die anderen weniger. Und tatsächlich ist dies nicht eine rein emotionale Komponente, die für manche zum erfüllten Arbeiten gehört.

In den “nach Corona-Büros” muss es diesen sozialen Aspekt, diesen gemeinsamen Ort in der Realität, unbedingt geben. Denn: Das Office ist ein Raum der Begegnungen und des persönlichen Austauschs, was für unsere Arbeit genauso wichtig ist, wie das konzentrierte Abarbeiten von Aufgaben. Eine Abkehr von Gemeinschaftsbüros wird es also auch im Büroalltag nach Corona nicht geben.

Stattdessen wird die Qualität der Interaktion, welche über Videochats nur bedingt erreicht wird, stärker in den Fokus rücken. Home Office und Mobile Work werden nur ein Teil des Neuen Arbeitens sein.

Egal, ob konservativer Verwaltungsjob oder eine neuartige Position im Start-up: Wir werden die Wahl haben zwischen Home Office und Arbeiten im Büro, welches sich in Büroeinrichtung und -gestaltung an den neuen Standards mit Abstands- und Hygieneregeln orientieren wird.

Im “nach Corona-Büro” wird es genauso möglich sein, konzentriert zu arbeiten und seiner Kreativität freien Lauf zu lassen wie gemeinsam im Team zu arbeiten und sich zu begegnen - auch abseits eines rein beruflichen Umfelds.

CREDITS: Narbutas
CREDITS: Narbutas

1. Büroplanung mit neuer Flächenaufteilung

Noch bis Anfang 2020 ging der Trend hin zu offenen Büroflächen mit shared desk-Bereichen mit dem Ziel, Kommunikation und Effizienz zu steigern.

Im Büro nach COVID-19 wird sich dieser Ansatz eher umkehren. Während bis vor kurzem noch pro Arbeitsplatz 11 qm eingerechnet wurden, sind es in der Büroplanung nach Corona mit flexiblen Ausweichflächen ganze 22 qm. Das bedeutet, dass theoretisch für die Hälfte der Belegschaft neue Arbeitsplätze geschaffen werden müssen.

Die gute Nachricht ist jetzt, dass sich der Bedarf an Basis-Arbeitsplätzen und Besprechungsräumen aufgrund von Home Office und Video Conferencing reduziert. Stattdessen rücken Fokus-Zonen, Co-Creation und Gemeinschaftsbereiche in den Vordergrund des Neuen Arbeitens.

Dabei werden Fokus-Zonen für konzentriertes Arbeiten im “nach Corona-Büro” wichtiger denn je sein, denn nicht jeder findet zu Hause eine Rückzugsort, an dem er absolut ungestört ist. Gleichzeitig werden Bereiche zur kreativen Teamarbeit weiter an Relevanz gewinnen, da diese Form der Zusammenarbeit nunmal am besten in echten, speziell dafür ausgelegten Räumen stattfindet.

Und drittens wird identitätsstiftenden Gemeinschaftsflächen mehr Raum eingeräumt werden müssen. Denn wenn die meisten von zu Hause arbeiten, ist der Wunsch nach “beruflicher Heimat” umso stärker, wenn man dann doch einmal ins Büro kommt.

Konkret heißt das einerseits, dass Büroeinrichter Multispace-Bereiche für Gruppen unter den Prämissen der neuen Abstandsregeln und Hygienestandards umstrukturieren müssen. Andererseits werden Think Tanks und sogenannte Telephone Boxes für maximale Konzentration zur Büroeinrichtung gehören.

Neu bei den privaten Rückzugsorten ist, dass bei der Büroplanung darauf geachtet werden muss, sie an der Fassade einzuplanen, um die Möglichkeit zum regelmäßigen Lüften zu gewährleisten.

Darüber hinaus werden Arbeitgeber und Unternehmen Arbeitsmodelle mit Schichtarbeit in Erwägung ziehen: Mitarbeiter in Gruppen einzuteilen, damit sie zu unterschiedlichen Zeiten im Office sind, ist eine Möglichkeit neben Home Office, um den erhöhten Platzbedarf zu begegnen.

2. “Nach-Corona-Büros” & Laufwege

Die Erstellung von Laufkonzepten mit definierten Laufwegen wird nach Corona nicht nur in großen Unternehmen Bestandteil der Büroplanung sein. Wie wir es schon vom Einzelhandel kennen, werden in den Büros nach Corona Laufkonzepte für Flure und sämtliche  Multispace-Bereiche erstellt werden, um Abstände zwischen den Mitarbeitern zu schaffen. Visuelle Elemente wie unterschiedlich gestaltete Böden (bspw. verschiedenfarbige Teppiche, Ausstattung mit verschiedenen Bodenbelägen) oder Wände (unterschiedliche Wandfarben oder Wanddesigns) unterteilen die Bürofläche optisch und weisen flexible Ausweichflächen aus. Dadurch werden Abstandsregeln subtil verinnerlicht und verschiedene Bürobereiche deutlicher voneinander abgegrenzt.

Weiterer Pluspunkt: Eine abwechslungsreiche Gestaltung von Wänden und Böden wird als Designelement genutzt, wodurch das gesamte Büro dynamischer wirkt, was sich wiederum positiv auf Motivation und Kreativität auswirkt.

CREDIT: Buzzi Space
CREDITS: Quinti
CREDITS: Quinti
CREDIT: Buzzi Space

4. Meetingräume in den Büros nach COVID-19

Meeting- und Konferenzräume werden in den Büros nach Corona zu wichtigen menschlichen Plattformen für den Austausch. Die Gemeinschaftsflächen sind essentiell, um persönliche Beziehungen und Vertrauen zwischen Mitarbeitern zu bilden und aufrecht zu erhalten und das Wir-Gefühl zu stärken.

Konferenz- und Meetingflächen sind zudem intime Räume, in denen vertrauliche Gespräche sowohl zu Mitarbeitern als auch zu Kunden stattfinden.

Dabei stellen Meetingräume den Ausgleich zu virtuellen Zoom- und Hangouts-Meetings dar und bringen den digitalen Arbeitsanteil in eine gesunde Balance zum “echten” Arbeitsalltag.

Darüber hinaus werden Büroeinrichter und Innenarchitekten dem wohnlichen Aspekt dieser Räume eine besondere Bedeutung zukommen lassen. Um die menschliche Komponente der realen Begegnung zu unterstreichen, werden diese Räume mehr an unser Wohnzimmer erinnern als an ein Büro.

So werden neben Büromöbeln aus Holz, die für ein gemütliches, warmes Ambiente sorgen, auch Pflanzen und Wohnaccessoires und Deko-Elemente zum Einsatz kommen.

Wurden Büromöbel für die Einrichtung eines Offices vor nicht allzu langer Zeit von 2 bis 3 Herstellern bezogen, sind es heute oft nicht weniger als 40, die zur Büroausstattung genutzt werden. Dabei kommt ein nicht unerheblicher Anteil mit Lampen, Loungesesseln, Sofas und gepolsterten Esszimmerstühlen aus dem Living-Bereich.

5. “nach Corona-Büroeinrichtung” mit Zero Touch

Durch die gesteigerte Digitalität wird der Infektionsschutz in den Büros nach Corona problemlos vorangetrieben werden. So sind Kameras, die die Temperatur von Mitarbeitern messen, vor allem in Großunternehmen eine Möglichkeit, den erhöhten Sicherheitsstandards zu begegnen.

Darüber hinaus werden zunehmend Smart Home-Funktionen wie Sprachassistenten und Sensoren für Aufzüge, Toiletten, Türen und Lichtschalter zum Einsatz kommen, um die Anzahl der Kontaktflächen zu minimieren.

Zudem werden voraussichtlich häufiger Office Analytics-Systeme eingesetzt werden, die die aktuelle Auslastung des Büros berechnen und - wenn nötig - Alarm schlagen, wenn Abstandsregeln und Hygienestandards nicht mehr eingehalten werden können.

Darüber hinaus werden sich Designer weitreichende Gedanken machen über neue Designs der sicherheitsrelevanten und gesundheitsfördernden Maßnahmen, wie Vorrichtungen zum Niesschutz. Denn es liegt nahe, die aus dem Einzelhandel bekannten Maßnahmen auch in das Büro nach COVID-19 zu übertragen und so eine erhöhte Hygiene zu gewährleisten.

6. Co-Working auch in Büros nach Corona

Co-Working Spaces werden auch in Zukunft (unter Einhaltung der neuen Hygienestandards und Abstandsregeln) von Unternehmen als flexible Ausweichflächen genutzt werden.

Darüber hinaus ist vorstellbar, dass insbesondere kleinere Unternehmen einen Teil ihrer Bürofläche als Co-Working Bereich an andere Firmen vermieten.

Die Herausforderung hierbei: Im Schnitt arbeiten etwa 3 Personen pro Tag an einem Co-Working Schreibtisch. Um den ständigen Wechsel dieser “shared desk-Personen” und der damit einhergehenden verminderten Hygiene zu begegnen, könnte mit Schreibtischunterlagen aus Papier Abhilfe geschaffen werden. Dies wäre eine hygienische und kostengünstige Möglichkeit, maximale Effizienz unter Einhaltung sämtlicher Corona-Regeln im Co-Working Büro zu erreichen.

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